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Trotzphase beim Kind: Ab wann? Hilfreiche Tipps & Tricks

Auf alle Eltern kommt irgendwann die Trotzphase ihres Kindes zu. Was das genau bedeutet und wie du bei Wutanfällen ruhig bleibst, erklären wir in unserem FamilienMoment.

✔️ in Zusammenarbeit mit Jennifer Günther, Elterncoach

Begriffsklärung

Was ist die Trotzphase?

In Fachkreisen, besonders in der Psychologie, wird anstelle des Begriffs „Trotzphase“ die neutralere Bezeichnung „Autonomiephase” gewählt. Schließlich trotzen Kinder nicht einfach, um andere zu ärgern. Stattdessen durchlaufen sie einen bedeutenden Entwicklungsschritt: Die Kleinen fangen an, sich von ihren Eltern zu lösen, selbstständiger zu werden und das eigene Ich zu entwickeln. Der kindliche Trotz hängt nicht mit dem Wachstumsschub zusammen, sondern ist ihre Reaktion, wenn ihnen die Erfahrung fehlt, mit Situationen umzugehen. Diese Phase ist sehr wichtig für die Entwicklung des Kindes.


Dauer

Schreien, weinen und sich vor Wut auf den Boden werfen

In der Trotzphase wird dein Kind von seinen Emotionen überwältigt. Es weiß nicht, wie es auf Situationen angemessen reagieren oder sich ausdrücken soll, da dein Kind es zu diesem frühen Zeitpunkt in der Entwicklung noch nicht kann. Hintergrund ist, dass das kindliche Gehirn noch keine Stressbewältigung erlernt hat. Daher weiß sich dein Kind in dieser Phase nicht anders zu helfen, als zu schreien, zu weinen, sich auf den Boden zu werfen oder gegen die Wand zu schlagen. Meist reagiert das Kind mit Trotz, wenn es überfordert ist, etwas nicht versteht oder sich einer anderen Person unterlegen fühlt, zum Beispiel Eltern oder Geschwisterkindern.

Jedes Kind und alle Eltern durchlaufen diese anstrengende Phase. Es liegt nicht an dir oder deinen Erziehungsmethoden, dass dein Kind so stark reagiert. In dieser wichtigen Entwicklungsphase lernt es seine Grenzen kennen. Die wichtigsten Informationen zur Trotzphase haben wir im Video für dich zusammengefasst.

Wann beginnt die Trotzphase?

Die Trotzphase kann bei deinem Kind jederzeit ab dem ersten Lebensjahr auftreten. Ab diesem Zeitpunkt passieren bei deinem Schatz große Entwicklungssprünge, wodurch er selbstständiger wird und auf Situationen trifft, die ihn noch überfordern. Bekommt dein Kind nicht, was es will oder weiß es nicht, wie es sich verhalten soll, kann ein Trotzanfall auftreten. Das heißt, dass in dieser Phase auch mehrere Anfälle möglich sind.  

Wie lange dauert die Trotzphase?

Die Dauer der Trotzphase bei Kleinkindern variiert. Im Allgemeinen hält sie bis zum dritten oder vierten Lebensjahr an, wobei sie ihren Höhepunkt oft im Alter von zwei bis drei Jahren erreicht. Aber jedes Kind ist anders: So kann auch die Trotzphase bei dem einen Kind deutlich kürzer oder länger anhalten als bei einem anderen.

Was sind die Anzeichen der Trotzphase?

Die Wut der Kinder auf eine Situation oder auf sich selbst braucht ein Ventil, denn die Gefühle drohen sie zu übermannen: Sie haben die Kontrolle über sich selbst und über ihre Gefühle verloren. Ob schreien, weinen, mit den Füßen stampfen, um sich schlagen, auf den Boden werfen – Kinder bringen ihren Frust über diese Situation auf ganz unterschiedliche Weisen zum Ausdruck. Dies erfolgt meist körperlich, da sie ihre Wut sprachlich noch nicht kommunizieren können. Meist sind diese Phasen auch ein Hilferuf der Kinder: Sie wissen nicht, wie sie mit der Situation und ihren Emotionen umgehen sollen.

Was hat Auswirkungen auf die Trotzphase?

Nicht jedes Kind trotzt gleich und nicht jeder Trotzanfall ähnelt sich. Temperamentvolle Kinder reagieren anders als ruhigere. Auch dein Verhalten hat Auswirkungen auf die Situation: Wie gehst du mit diesem Trotzmoment um? Je ruhiger du bist und je mehr du auf deinen kleinen Schatz eingehst, desto mehr beeinflusst dies dein Kind positiv. Auch wenn du das Gefühl hast, gegen eine Wand zu reden, kommt dein Verhalten durchaus an. Und dass du für deinen Nachwuchs in dieser schweren, wichtigen Phase da bist, bekommt er auf jeden Fall mit.  

Welche Rolle spielen die Eltern?

Wenn dein Kind einen Trotzanfall hat, schwankst du zwischen Mitleid und dem Festhalten an Gesagtem oder Regeln. Nicht umsonst finden Trotzphasen dann statt, wenn das Kind selbstständiger und von den Eltern weniger umsorgt wird als im Babyalter. Jennifer Günther sagt dazu: „Eltern werden in dieser Zeit von absoluten Bedürfnisbefriedigern zu Vermittlern von Regeln und das ist für Kinder eine neue Situation, die erstmal verstanden werden muss.“

Wenn solche Anfälle in der Öffentlichkeit passieren, fühlen sich viele Eltern unsicher und hilflos. Obwohl das Trotzen natürlich ist, wollen sie dem Kind die Probleme und Sorgen erleichtern. Alle Kinder und Eltern durchlaufen diese wichtige Phase. 

Der absolute Klassiker im Zusammenhang mit der Trotzphase ist das Bild eines Kindes, das sich im Supermarkt wütend auf den Boden wirft, beißt, spuckt oder schreit. Dieses Bild haben fast alle Erwachsenen im Kopf, wenn es um das Thema Trotzen geht. Wir denken an einen Gefühlsausbruch der Superlative und an einen hilflosen Erwachsenen, dem sein angeblich unerzogenes Kind auf der Nase herumtanzt. Elterncoach Jennifer Günther

Entwicklungsschritte

Was lernen Kinder in der Trotzphase?

Die Trotzphase ist eine Zeit wichtiger Entwicklungsschritte. Sie hat den Zweck, dass Kinder lernen, in der Welt zurechtzukommen.

Durchhaltevermögen

Egal ob als Kind oder später als Erwachsener, Geduld und Beharrlichkeit sind wichtige Kompetenzen, die jeder Mensch besitzen sollte. Die Trotzphase hilft deinem Kind, zu erkennen, wie weit es für seine Wünsche gehen kann. Es lernt, dass es Regeln und Grenzen gibt. Letztlich wird ihm schon in dieser Phase klar, dass nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann.

Stress- und Frustbewältigung

In der Trotzphase macht dein Schatz mit seiner Frustrationsschwelle Bekanntschaft. Er lernt, wie er mit Stress und Frust umgehen und darauf reagieren kann. In der Anfangsphase ist die Reaktion sehr stark, durch den Lerneffekt passt sich das Maß seiner Reaktion an.

Soziale Kompetenzen

Manchmal ist es auch für Erwachsene schwer, ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Dein Kind lernt in der Trotzphase, sich selbst zu kontrollieren und Momente zu begreifen, in denen es seine Gefühle im Zaun halten muss.


Tipps für Eltern

So reagierst du richtig in der Trotzphase

Die Trotzphase ist normal und wichtig für die Entwicklung deines kleinen Sonnenscheins. Genauso bedeutsam ist es auch, dass dein Kind seine Wut ausleben kann. Letztlich stärkst du deinen Schatz nach einem temperamentvollen Ausbruch, wenn du ihm liebevoll zur Seite stehst. Bleibe in solchen Situationen entspannt und begegne deinem Kind mit Einfühlungsvermögen. So ermöglichst du es ihm, sich weiterzuentwickeln. Dadurch lernt es, dass du auch in schwierigen Situationen immer für es da bist und stärkst nebenbei eure Beziehung zueinander.

Wenn möglich, sollten Eltern versuchen, ruhig und angemessen zu reagieren. Es ist in dieser Zeit wichtig, dass Eltern die Autonomiephase zulassen und dieses von der Natur vorgesehene Erleben als gut und wichtig ansehen. Denn Kinder lernen in dieser Zeit alle Arten von Gefühlen kennen, sie erleben Grenzen, Schwächen, Scheitern, Schmerz und Erfolge. Der eigene Wille entwickelt sich und Lernprozesse müssen durchlaufen werden. Ich empfehle Eltern, sich bewusst zu machen, wie wichtig diese Phase für ihr Kind genau in der Altersspanne von ein bis vier Jahren ist. Elterncoach Jennifer Günther

Nimm dir Zeit für dich

Die Zeit der Trotzphase ist für Eltern anstrengend. Nimm dir daher Auszeiten. Dein Kind ist gerade bei Freunden oder Verwandten? Dann nutze diese Zeit und konzentriere dich nur auf dich selbst. Nur so kannst du gestärkt den nächsten Wutanfall durchstehen und deinem Kind eine gute Stütze sein.

Umgang mit Trotzanfällen

Hier findest du die Tipps zum Umgang mit dieser Phase von unserem Elterncoach Jennifer Günther in der Übersicht:

  • Unterstelle deinem Kind keine Absichten: Diese kann es bei dem aktuellen Entwicklungsstand noch nicht haben.
  • Gehe davon aus, dass Kinder kooperieren wollen, es oft aber noch nicht können.
  • Hinterfrage eigene Vorstellungen und Erwartungen: Ist mein Kind schon in der Lage, das zu können?
  • Auch, wenn es schwerfällt: Ignoriere den gesellschaftlichen Erwartungsdruck.
  • Lebe Kooperation vor: Berücksichtige das Nein der Kinder und verliere deine Wünsche und Bedürfnisse nicht aus den Augen.
  • Baue keinen unnötigen Druck auf: Gib den Kindern Gelegenheiten, freiwillig auf dich zuzukommen. Bleibe geduldig und zolle Anerkennung.
  • Gib den Kindern die Zeit, die sie brauchen. Sei es, um noch etwas zu spielen oder die Schuhe allein anzuziehen. Erwachsene setzen Kinder oft unter Zeitdruck.
  • Wir müssen lernen, auf unsere Kinder und deren Entscheidungen zu vertrauen. Auch Kinder können schon eigene kleinere Entscheidungen treffen.

Vorbeugung von Trotzanfällen

Wie kannst du Trotzanfällen vorbeugen?

Hier sind Tipps, die helfen können, dem nächsten Trotzanfall vorzubeugen:

  • Achte darauf, dass die Bedürfnisse deines Kindes ausbalanciert sind. Übermüdung, Hunger oder überschüssige Energie fördern Frust und erhöhen die Chance auf Trotzanfälle.  
  • Mit fortschreitender Trotzphase steigt auch dein Verständnis für Anzeichen und Auslöser eines Trotzanfalls. Erkennst du, dass ein Anfall bevorsteht, lenke dein Kind mit einer alternativen Beschäftigung ab.
  • Bleibe ruhig und gelassen, wenn dein Nachwuchs anfängt, trotzig zu werden. Versuche, mit Geduld und Verständnis der Trotzsituation entgegenzuwirken.  
Ich versuche, den Eltern im Gespräch die Angst zu nehmen, denn es handelt sich in dieser Lebensphase der Kinder um eine von der Natur vorgegebene Phase, in der Erziehung tatsächlich gar nichts zu suchen hat. Ein stabiler, liebevoller, authentischer und verständnisvoller Erwachsener, der seinem Kind auch in dieser Phase zugewandt und nervenstark zur Seite steht, ist das, was Kinder in dieser Zeit brauchen. Elterncoach Jennifer Günther

Über Jennifer Günther

Elterncoach

Portrait: Jennifer Günther

Jennifer Günther berät und begleitet Eltern als Coach zu allen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Erziehungsfragen. Mit den „milo Eltern- & Babykursen” in Köln und Hürth ist sie mit ihrem Team auch vor Ort für Eltern da. In Videos, Podcasts oder Blogartikeln wird sie oft als Expertin interviewt und gibt wertvolle Hilfestellungen für den Familienalltag. Sie unterstützt den Kinderschutzbund und Jugendämter im Bereich der frühen Hilfen und Präventionsangebote.


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