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FamilienMomente / 20. Januar 2021

Verzweifelt wegen Trotzphase? Wissenswertes für Eltern

Auf alle Eltern kommt irgendwann die Trotzphase ihres Kindes zu. Was das genau bedeutet und wie Sie bei Wutanfällen ruhig bleiben, erklären wir gemeinsam mit Elterncoach Jennifer Günther.

Mädchen sitzt zornig auf dem Bett

Das passiert in der Trotzphase

Schreien, weinen und sich vor Wut auf den Boden werfen

In der Trotzphase wird Ihr Kind von seinen Emotionen überwältigt. Es weiß nicht, wie es auf Situationen angemessen reagieren oder sich ausdrücken soll. Hintergrund ist, dass das kindliche Gehirn noch keine Stressbewältigung erlernt hat. Daher weiß sich Ihr Kind in dieser Phase nicht anders zu helfen, als zu schreien, zu weinen, sich auf den Boden zu werfen oder gegen die Wand zu schlagen. Meist reagiert das Kind mit Trotz, wenn es überfordert ist, etwas nicht versteht oder sich einer anderen Person unterlegen fühlt, zum Beispiel Eltern oder Geschwisterkindern.

Jedes Kind und alle Eltern durchlaufen diese anstrengende Phase. Es liegt nicht an Ihnen oder Ihren Erziehungsmethoden, dass Ihr Kind so stark reagiert. In dieser wichtigen Entwicklungsphase lernt es seine Grenzen kennen. Die wichtigsten Informationen zur Trotzphase haben wir im Video für Sie zusammengefasst.

Wann kommen Kinder in die Trotzphase?

Die Trotzphase kann bei Ihrem Kind jederzeit zwischen dem ersten und dem vierten Lebensjahr auftreten. In dieser Zeitspanne passieren bei Ihrem Schatz große Entwicklungssprünge, wodurch er selbstständiger wird und auf Situationen trifft, die ihn noch überfordern. Bekommt Ihr Kind nicht, was es will oder weiß es nicht, wie es sich verhalten soll, kann ein Trotzanfall auftreten. Das heißt, dass in dieser Phase auch mehrere Anfälle möglich sind.  

Was sind die Anzeichen der Trotzphase?

Die Wut der Kinder auf eine Situation oder auf sich selbst braucht ein Ventil, denn die Gefühle drohen sie zu übermannen: Sie haben die Kontrolle über sich selbst und über ihre Gefühle verloren. Ob schreien, weinen, mit den Füßen stampfen, um sich schlagen, auf den Boden werfen – Kinder bringen ihren Frust über diese Situation auf ganz unterschiedliche Weisen zum Ausdruck. Meist sind diese Phasen auch ein Hilferuf der Kinder: Sie wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen.

Was hat Auswirkungen auf die Trotzphase?

Nicht jedes Kind trotzt gleich und nicht jeder Trotzanfall ähnelt einander. Temperamentvolle Kinder reagieren anders als ruhigere. Auch Ihr Verhalten hat Auswirkungen auf die Situation: Wie gehen Sie mit diesem Trotzmoment um? Je ruhiger Sie sind und je mehr Sie auf Ihren kleinen Schatz eingehen, desto mehr beeinflusst dies Ihr Kind. Auch wenn Sie das Gefühl haben, gegen eine Wand zu reden, kommt Ihr Verhalten durchaus an. Und dass Sie für ihn in dieser schweren, wichtigen Phase da sind, bekommt es auf jeden Fall mit.  

Welche Rolle spielen die Eltern?

Wenn Ihr Kind einen Trotzanfall hat, schwanken Sie zwischen Mitleid und dem Festhalten an Gesagtem oder Regeln. Nicht umsonst finden Trotzphasen dann statt, wenn das Kind selbstständiger und von den Eltern weniger umsorgt wird. Jennifer Günther sagt dazu: „Eltern werden in dieser Zeit von absoluten Bedürfnisbefriedigern zu Vermittlern von Regeln und das ist für Kinder eine neue Situation, die erstmal verstanden werden muss.“

Wenn solche Anfälle in der Öffentlichkeit passieren, fühlen sich viele Eltern unsicher und hilflos. Obwohl das Trotzen natürlich ist, wollen Sie dem Kind die Probleme und Sorgen erleichtern. Alle Kinder und Eltern durchlaufen diese Phase. „Wenn möglich, sollten Eltern versuchen, ruhig und angemessen zu reagieren. Es ist in dieser Zeit wichtig, dass Eltern die Autonomiephase zulassen und dieses von der Natur vorgesehene Erleben als „gut und wichtig“ ansehen. Denn Kinder lernen in dieser Zeit alle Arten von Gefühlen kennen, sie erleben Grenzen, Schwächen, Scheitern, Schmerz und Erfolge. Der eigene Wille entwickelt sich und Lernprozesse müssen durchlaufen werden. Ich empfehle Eltern immer, sich bewusst zu machen, wie wichtig diese Phase für Ihr Kind genau in der Altersspanne von ein bis vier Jahren ist“, sagt Elterncoach Jennifer Günther.

Der absolute Klassiker im Zusammenhang mit der Trotzphase ist das Bild eines Kindes, das sich im Supermarkt wütend auf den Boden wirft, beißt, spuckt oder schreit. Dieses Bild haben fast alle Erwachsenen im Kopf, wenn es um das Thema Trotzen geht. Wir denken an einen Gefühlsausbruch der Superlative und an einen hilflosen Erwachsenen, dem sein angeblich unerzogenes Kind auf der Nase herumtanzt. Elterncoach Jennifer Günther

Das lernen Kinder in der Trotzphase

Durchhaltevermögen, Stress- und Frustbewältigung

Die Trotzphase ist eine Zeit wichtiger Entwicklungsschritte. Sie hat den Zweck, dass Kinder lernen, in der Welt zurechtzukommen.

Durchhaltevermögen

Egal ob als Kind oder später als Erwachsener, Geduld und Beharrlichkeit sind wichtige Kompetenzen, die jeder Mensch besitzen sollte. Die Trotzphase hilft Ihrem Kind, zu erkennen, wie weit es für seine Wünsche gehen kann. Es lernt, dass es Regeln und Grenzen gibt. Letztlich wird ihm schon in dieser Phase klar, dass nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann.

Stress- und Frustbewältigung

In der Trotzphase macht Ihr Schatz mit seiner Frustrationsschwelle Bekanntschaft. Er lernt, wie er mit Stress und Frust umgehen und darauf reagieren kann. In der Anfangsphase ist die Reatktion sehr stark, durch den Lerneffekt passt sich das Maß seiner Reaktion an.

Soziale Kompetenzen

Manchmal ist es auch für Erwachsene schwer, ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Ihr Kind lernt in der Trotzphase, sich selbst zu kontrollieren und Momente zu begreifen, in denen es seine Gefühle im Zaun halten muss.


Tipps für Eltern

Zeigen Sie Einfühlungsvermögen und nehmen Sie sich Auszeiten

Die Trotzphase ist normal und wichtig für die Entwicklung Ihres kleinen Sonnenscheins. Genauso bedeutsam ist es auch, dass Ihr Kind seine Wut ausleben kann. Letztlich stärken Sie Ihren Schatz nach einem temperamentvollen Ausbruch, wenn Sie ihm liebevoll zur Seite zu stehen. Bleiben Sie in solchen Situationen entspannt und begegnen Sie Ihrem Kind mit Einfühlungsvermögen. So ermöglichen Sie es ihm, sich weiterzuentwickeln. Dadurch lernt es, dass Sie auch in schwierigen Situationen immer für ihn da sind und stärken nebenbei Ihre Beziehung zueinander.

Nehmen Sie sich Zeit für sich

Die Zeit der Trotzphase ist für Eltern anstrengend. Nehmen Sie sich daher Auszeiten. Ihr Kind ist gerade bei Freunden oder Verwandten? Dann nutzen Sie diese Zeit und konzentrieren Sie sich nur auf sich selbst. Nur so können Sie gestärkt den nächsten Wutanfall durchstehen und Ihrem Kind eine gute Stütze sein. Hier finden Sie die Tipps von unserem Elterncoach Jennifer Günther in der Übersicht:

  • Unterstellen Sie dem Kind keine Absichten: Diese kann es bei dem aktuellen Entwicklungsstand noch nicht haben.
  • Gehen Sie davon aus, dass Kinder kooperieren wollen, es oft aber noch nicht können.
  • Hinterfragen Sie eigene Vorstellungen und Erwartungen: Ist mein Kind schon in der Lage, das zu können?
  • Auch wenn es schwerfällt: Ignorieren Sie den gesellschaftlichen Erwartungsdruck.
  • Leben Sie Kooperation vor: Berücksichtigen Sie auch das Nein der Kinder und verlieren Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht aus den Augen.
  • Bauen Sie keinen unnötigen Druck auf: Geben Sie den Kindern Gelegenheiten, freiwillig auf Sie zuzukommen. Bleiben Sie geduldig und zollen Sie Anerkennung.
  • Geben Sie den Kindern die Zeit, die sie brauchen. Sei es, um noch etwas zu spielen oder die Schuhe allein anzuziehen. Erwachsene setzen Kinder oft unter Zeitdruck.
  • Wir müssen lernen, auf unsere Kinder und deren Entscheidungen zu vertrauen. Auch Kinder können schon eigene kleinere Entscheidungen treffen.
  • Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck.
  • Sie sollten, wenn es möglich ist, den Wutanfall Ihrer Kinder aushalten und danach Trost spenden. Die Welt der Kinder verändert sich in diesem Lebensabschnitt enorm und sie benötigen in dieser Zeit viel Halt von Ihren Eltern.
  • Freuen Sie sich, dass Ihr Kind die Möglichkeit hat, seinen eigenen Willen zu finden. Diesen wird es als Erwachsener dringend brauchen.
  • Nehmen Sie die Wut Ihres Kindes keinesfalls persönlich.
  • Verlieren Sie sich selbst nicht aus dem Blick: Nur entspannte Eltern können auch gut für ihre Kinder in der Autonomiephase da sein.
Ich versuche, den Eltern im Gespräch die Angst zu nehmen, denn es handelt sich in dieser Lebensphase der Kinder um eine von der Natur vorgegebene Phase, in der Erziehung tatsächlich gar nichts zu suchen hat. Ein stabiler, liebevoller, authentischer und verständnisvoller Erwachsener, der seinem Kind auch in dieser Phase zugewandt und nervenstark zur Seite steht, ist das was Kinder in dieser Zeit brauchen. Elterncoach Jennifer Günther