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Baby wickeln: Tipps für junge Eltern

Das Wickeln gehört von Geburt an mehrmals täglich zum Familienalltag. In unserem FamilienMoment erfährst du, wie oft du deinem Baby die Windel wechseln solltest, wie das Wickeln Schritt für Schritt gelingt und worauf es bei Wickelplatz, Windelwahl und Sicherheit ankommt.

✔️ in Zusammenarbeit mit Judith Fuchs, Hebamme

Häufigkeit und Zeitpunkt

In welchen Abständen sollte ich mein Baby wickeln?

Im Schnitt wickelst du dein Baby alle zwei bis drei Stunden. Ein Neugeborenes braucht durch die vielen kleinen Mahlzeiten etwa sechs bis zehn frische Windeln pro Tag. Mit zunehmendem Alter werden die Abstände größer, sodass ältere Kinder oft mit vier bis sechs Windeln am Tag auskommen. Wann und wie oft dein Baby am Tag wirklich gewickelt werden muss, ist individuell, hängt aber auch von den Umständen ab:

  • Nach Mahlzeiten: Kontrolliere besonders bei Neugeborenen regelmäßig die Windel, denn viele Babys entleeren während oder nach dem Trinken ihren Darm.
  • Nach jedem Stuhlgang: Riecht es unangenehm aus der Windel oder fühlt sie sich spürbar voll an, wechselst du am besten zeitnah, um Hautreizungen vorzubeugen.
  • Bei Unruhe und Weinen: Zeigt dein Baby Unzufriedenheit, obwohl es weder müde noch hungrig ist, steckt oft die volle Windel dahinter. Auch nachts kann das Schreien darauf hindeuten, dass die Windel gewechselt werden muss.

Sollte dein Baby zu einem empfindlichen Windelbereich neigen, ist es wichtig, dass du es häufiger wickelst. Überprüfe mit einem Griff an den Po regelmäßig, ob die Windel voll ist und ein Wechsel ansteht. Solltest du vorhaben, das Haus zu verlassen, zum Beispiel für eine längere Autofahrt oder einen Spaziergang, solltest du dein Kind vorher wickeln.

Vor oder nach dem Stillen wickeln?

Am besten wickelst du dein Baby nach dem Stillen, denn Säuglinge haben häufig während oder direkt nach dem Trinken Stuhlgang. So genießt ihr eine ungestörte Stillroutine und eine entspannte Mahlzeit ohne Ablenkungen. Dies gilt nicht, falls die Windel schon vor dem Stillen voll sein sollte. In diesem Fall solltest du sie vor dem Stillen wechseln, sonst wird dein Baby beim Trinken unruhig.

Wie lange darf der Stuhlgang in der Windel bleiben?

Wechsel die Windel unmittelbar nach dem Stuhlgang. Denn je länger die empfindliche Babyhaut mit den Ausscheidungen in Kontakt ist, desto größer ist die Gefahr eines wunden Pos. Unabhängig davon solltest du die Windel alle zwei bis drei Stunden kontrollieren. Zeigt dein Baby Anzeichen von Unwohlsein oder Hautreizungen, solltest du ebenfalls sofort aktiv werden und die Windel wechseln.

Wickeln in der Nacht: So schlafen alle schnell wieder ein

Nachts stellt sich für viele Eltern die Frage, ob ein Windelwechsel überhaupt nötig ist. Als Faustregel gilt: Wecke dein Baby nur dann, wenn es Stuhlgang hatte. Dann solltest du zeitnah wechseln, um Hautreizungen und Infektionen zu vermeiden. Ist die Windel lediglich mit Urin gefüllt, kannst du dein Baby in der Regel weiterschlafen lassen, solange sie nicht ausläuft oder dein Kind unruhig wird. Damit ihr beide nach dem nächtlichen Wickeln schnell wieder einschlaft, helfen ein paar einfache Tricks:

  • Gedämpftes Licht: Ein kleines Nachtlicht statt heller Deckenbeleuchtung wirkt beruhigend und hält dein Baby nicht unnötig wach.
  • Alles griffbereit: Lege Windeln, Feuchttücher und Wechselkleidung schon vor dem Schlafengehen bereit, damit du nachts nicht suchen musst.
  • Ruhig bleiben: Sprich nachts möglichst wenig mit deinem Baby und bewege dich langsam, damit es nicht zu wach wird.
  • Passende Windelgröße: Läuft die Windel nachts häufig aus, ist oft eine zu kleine Windelgröße die Ursache.  Mehr über Größen, Stoff- und Einwegwindeln findest du in unserem FamilienMoment über Windelgrößen.

Je älter dein Baby wird, desto seltener wird nächtliches Wickeln nötig: Die Blase fasst mehr und der Körper produziert nachts weniger Urin. Ab wann du komplett auf das nächtliche Wickeln verzichten kannst, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Mehr Tipps dazu findest du in unserem FamilienMoment über das Wickeln in der Nacht.


Anleitung

Baby richtig wickeln – eine Anleitung

Vom Bereitlegen der Utensilien über das Reinigen bis zum sicheren Verschließen der frischen Windel. Hier findest du alle wichtigen Handgriffe für das Wickeln auf einen Blick. Bevor es losgeht, hier die wichtigsten Grundregeln auf einen Blick:

  • Vorbereitung ist alles: Lege alle Utensilien griffbereit, bevor du startest.
  • Sicherheit geht vor: Halte immer eine Hand am Baby, egal wo du wickelst.
  • Ruhe bewahren: Eine entspannte Atmosphäre überträgt sich auf dein Baby.
  • Von vorne nach hinten reinigen: So gelangen keine Keime in den Genitalbereich.
Abbildung „Babypopo richtig reinigen”

Alles bereitlegen

Achte darauf, für das Wickeln alles griffbereit zu haben. Ein Wickeltisch mit Schubladen oder Ablagefächern bietet sich an, weil du alle notwendigen Utensilien dort lagern kannst und nicht lange suchen musst. Wichtig ist, dass du stets eine Hand am Kind behältst, sodass es nicht vom Wickeltisch fallen kann. Lege folgende Utensilien bereit:

  • Wickelunterlage
  • frische Windeln
  • nasse Waschlappen oder Feuchttücher
  • ein Handtuch
  • bei Bedarf Pflegeprodukte für den Windelbereich
  • Wechselkleidung für das Kind

Pflegeprodukte wie Windelcreme oder Öle sind außerhalb der Reichweite der Kinder zu platzieren, da die Kleinen vieles mit dem Mund erkunden. Natürlich kannst du dein Baby während des Spielens auch direkt auf dem Boden wickeln. Achte darauf, dass es gut gepolstert liegt und du alles Nötige zur Hand hast.

Popo säubern und eincremen

Achte beim Reinigen des Pobereichs auf Folgendes:

  • Sorge für eine angenehme Raumtemperatur.
  • Entferne beim Wickeln die alte Windel und reinige die verschmutzten Hautstellen gründlich mit einem feuchten Tuch. Falls Wasser allein nicht ausreichen sollte, greife auf reine, naturbelassene Öle oder Pflegeöle zurück.
  • Achte unbedingt darauf, auch die Hautfalten an Beinen und Po ordentlich zu reinigen.
  • Wische immer von vorne nach hinten.
  • Warte mit den Pflegeprodukten oder der neuen Windel, bis die Haut wieder trocken ist oder tupfe sie sanft mit einem Handtuch ab.
  • Sauerstoff tut der Haut gut. Lasse den Windelbereich deines Babys im Sommer an der frischen Luft trocknen.
  • Lege die neue Windel an und achte darauf, dass sie weder zu eng noch zu weit sitzt. Es sollte zwischen Bauch und Bündchen Platz für zwei deiner Finger sein.

Mädchen oder Jungen: Unterschiede beim Wickeln

Die meisten Abläufe beim Wickeln sind bei Mädchen und Jungen gleich. Einige Punkte sind für das geschlechtsspezifische Wickeln allerdings wichtig. 

  • Pflege und Säuberung: Achte bei Jungen darauf, den Genitalbereich, insbesondere den Penis und den Hodensack, sorgfältig zu reinigen. Säubere auch bei Mädchen diesen Bereich gründlich. Vermeide jedoch den direkten Kontakt zur Harnröhrenöffnung und verwende keine aggressiven Pflegeprodukte. Außerdem gilt für beide Geschlechter: Wische immer von vorne nach hinten.
  • Windelplatzierung: Bei Jungen sollte der Penis nach unten zeigen, damit der Urin in der Windel landet. Decke grundsätzlich den Genitalbereich mit der Windel ab, sodass sie fest und sicher sitzt.

Eltern eines Jungen können eine Windel oder ein Tuch über den Penis des Kindes legen. So verhindern sie, dass sie nass werden, wenn das Baby uriniert. Schiebe die Vorhaut beim Reinigen nicht zurück, da es sonst zu Verletzungen kommen kann.

Richtig greifen

Babys bewegen sich beim Wickeln oft mehr, als man erwartet. Damit du sicher und schnell die Windel wechseln kannst, ist der richtige Griff hilfreich.

  • Greife mit der rechten Hand den linken Oberschenkel deines Lieblings.
  • Achte darauf, dass die Hüfte gebeugt ist und das andere Bein auf deinem Unterarm liegt.
  • Sei nicht zu vorsichtig, sondern greife sicher zu, sodass das Bein nicht aus deiner Hand rutschen kann.
  • Hebe dann vorsichtig das Bein hoch, sodass auch der Po leicht angehoben wird. Das hilft, ihn zu reinigen, ohne Fuß- und Kniegelenke des Kindes zu belasten.
  • In der gleichen Haltung kannst du die frische Windel unterschieben und danach Po und Bein vorsichtig wieder nach unten gleiten lassen.

Solltest du Linkshänder sein, greife mit der linken Hand den rechten Oberschenkel. Leidet dein Kind unter Magenschmerzen oder hat generell einen empfindlichen Bauch, hebe dein Baby nicht an, sondern drehe es beim Wickeln von der einen zur anderen Seite. Diese Methode nennt sich Kinästhetik. Dabei geht es um die Wahrnehmung von Bewegung. 

Checkliste für das Wickeln
Beikostplan (0.8 MB)

Breit wickeln

Breit wickeln – was bedeutet das?

Breites Wickeln kann die Anhock-Spreiz-Haltung deines Babys unterstützen. Dabei liegen die Beine leicht angewinkelt und etwas auseinander. Diese Position kann für die Hüftentwicklung günstig sein. Wenn bei deinem Baby eine Hüftauffälligkeit festgestellt wurde, solltest du dich immer an die Empfehlung deiner Kinderarztpraxis oder Hebamme halten.

Breit wickeln – so geht's

Wickele deinen Sonnenschein und lege zusätzlich ein Mull- oder Moltontuch zwischen die Beine.

  1. Falte das Tuch rechteckig zusammen, bei einer Breite von etwa 15 Zentimetern.
  2. Lege es dann zwischen Windel und Body.
  3. Achte darauf, dass es fest anliegt und nicht verrutschen kann. Eine Unterhose in einer größeren Kleidergröße kann helfen, das Tuch am Platz zu halten.
  4. Ziehe dein Kind danach an.

Solltest du Stoff- oder Mullwindeln verwenden, werden die Beine automatisch gespreizt, da die Wicklung breiter als bei Einmalwindeln ist.

Wie lange am Tag breit wickeln?

Wie lange und wie oft dein Baby breit gewickelt werden sollte, hängt vom individuellen Befund ab. Halte dich deshalb an die Empfehlung deiner Kinderarztpraxis oder Hebamme. Ohne besondere Diagnose kann breites Wickeln eine Möglichkeit sein, die natürliche Anhock-Spreiz-Haltung zu unterstützen. Wenn du unsicher bist, lass dir die Technik zeigen.


Wickelkommode

Welche Wickelkommode ist die beste? 

Die beste Wickelkommode ist eine, die zu deiner Körpergröße und Wohnsituation passt. Beim Kauf solltest du darauf achten, dass

  • sie für dich als Elternteil von der Höhe passt, damit du nicht mit gekrümmtem Rücken arbeiten zu musst.
  • die Ecken abgerundet sind.
  • die Wickelfläche mindestens die Maße 55 Zentimeter x 70 Zentimeter aufweist.
  • sie als Schutz vor dem Herunterfallen erhöhte Seitenteile mit mindestens 20 Zentimetern hat.
  • eine Polsterung auch an den Seiten vorhanden ist.
  • die Wickelauflage nach DIN-Norm hergestellt wurde.
  • sie genügend Platz und Schubfächer für alle Materialen bietet.
  • die Pflegeprodukte sicher und außerhalb der Reichweite der Kinder stehen.

Alternativ kannst du dein Baby auch auf dem Boden wickeln. Welche Möglichkeiten es ergänzend zum Wickeln gibt, erfährst du im nächsten Abschnitt.

Sicherheit am Wickeltisch

Diese Sicherheitsregeln solltest du beim Wickeln grundsätzlich beachten:

  • Lass dein Kind nie allein auf dem Wickeltisch. Lege es kurz auf den Boden oder ins Bettchen, falls du etwas vergessen hast oder das Telefon oder die Türklingel läutet.
  • Beauftrage keine Geschwisterkinder mit der Aufsicht.
  • Habe immer eine Hand am Baby, bei allem, was du tust.
  • Pflegeartikel sollten sich außerhalb der Reichweite der Kleinkinder befinden.

Alternativen zur Wickelkommode

Am sichersten ist es, wenn du dein Kind auf dem Boden wickelst. Hier besteht keine Sturzgefahr, und dein Baby kann sich frei bewegen, strampeln und zappeln. Wir stellen dir weitere gute Alternativen für deinen Wickelplatz vor:

  • Babynest oder Wickelkorb: Eine gepolsterte, seitlich erhöhte Liegefläche, die sich flexibel auf Bett, Sofa oder Kommode platzieren lässt, macht dich im Wickeln besonders mobil.
  • Sofa oder Bett: Diese Wickelplätze sind perfekt für den schnellen Wechsel zwischendurch. Schütze die Fläche vorab mit einer wasserdichten Unterlage.
  • Wickelaufsatz für Waschmaschine oder Kommode: Ein Aufsatz spart Platz, sollte aber immer sicher und rutschfest befestigt sein.
  • Wickeltisch oder Wickelregal: Die kompakten, oft klappbaren Varianten der Wickelkommode haben meist eine geringere Gewichtsbeschränkung.

Du hast noch mehr Fragen rund um das Thema Wickeln? Dann schaue in unserem Wickelratgeber vorbei. Dort findest du viele weitere Tipps.

Mach dir keine Sorgen, wenn du direkt nach der Geburt noch nicht weißt, wie du dein Baby wickeln sollst. In der Klinik und zu Hause zeigen es dir die Hebammen oder Gesundheitspfleger gerne. Hebamme Judith Fuchs
Über Judith Fuchs

Hebamme

Portrait: Judith Fuchs

Judith Fuchs begleitet als Hebamme Schwangere und ihre Familien während der Schwangerschaft und der Geburt im Geburtshaus sowie zu Hause. Sie steht ihnen außerdem während des Wochenbetts und der Stillzeit unterstützend zur Seite. Eine respektvolle, individuelle und interventionsarme Betreuung sind ihr dabei ein Herzensanliegen. In unseren FamilienMomenten klärt sie als Expertin über alle Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit auf. Judith Fuchs hat selbst zwei Kinder.


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