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Fremdeln: Wenn es bei Mama am schönsten ist

Dein Kind fremdelt? Auch wenn es für dich sehr anstrengend ist, kannst du doch beruhigt sein – denn das ist ein ganz normaler Entwicklungsschritt. Wir zeigen dir, wie du am besten mit dem Fremdeln deines Kindes umgehst und geben Tipps, wie du dein Kind in dieser wichtigen Phase unterstützen kannst.

Definition

Was bedeutet „fremdeln”?

Plötzlich will dein Kind nicht mehr zu anderen und hängt stark an dir? Dieses sogenannte Fremdeln ist vollkommen normal. Hierbei handelt es sich um einen wichtigen Entwicklungsschritt im Leben deines Kindes, der zudem ein Zeichen der emotionalen und sozialen Reife ist. Das Baby erkennt zu diesem Zeitpunkt seine Bezugspersonen. Mit diesen Bezugspersonen verbindet dein Kind Geborgenheit und vor allem Sicherheit. Verlässt diese wichtige Bindungsperson das Blickfeld oder den Raum, entsteht Panik oder Unruhe. Alles, was mit einem Fremden oder einer anderen Person als den Eltern zu tun hat, wird von den Kindern abgelehnt – auch körperlich, indem sie sich die Hände vors Gesicht halten oder wegschauen. Auch Tränen können in so einer Situation fließen.

Von Experten wird das Fremdeln auch Achtmonatsangst genannt. Denn dies ist das Alter des Kindes, wenn diese Phase ungefähr auftritt.


Zeitpunkt

Wann fremdeln Kinder?

Das Fremdeln findet rund um den achten Lebensmonat statt. Es beginnt etwa zwischen dem vierten bis achten Lebensmonat. Meist dann, wenn das Kind anfängt, sich deutlich mehr zu bewegen – robben und krabbeln kann den Radius des Kindes jetzt erweitern. Doch neue Freiheit bedeutet auch neue Ängste. Daher ist die Sicherheit der Bezugsperson so wichtig.

Ab dem zweiten und dritten Lebensjahr wird es weniger

Das Fremdeln ist gegenüber anderen Personen unterschiedlich stark ausgeprägt: Ist die Person wirklich jemand Fremdes, ist die Ablehnung ihm gegenüber größer als zu einer Person, die das Kind im Laufe seines Lebens schon einmal gesehen hat. Das Fremdeln klingt meist im zweiten und dritten Lebensjahr wieder ab, wenn die Kindergartenzeit beginnt. Wie die Eingewöhnung in den Kindergarten klappt, kannst du hier nachlesen.


Gründe

Warum fremdeln Kinder?

Das Fremdeln hat viele verschiedene Gründe. Generell ist es aber immer eine Reaktion der Kinder auf Neues und Unbekanntes.

Fremdeln ist charakter- und entwicklungsabhängig

Insgesamt ist das Fremdeln sehr charakterabhängig. Es ist absolut normal, wenn Kinder unterschiedlich stark reagieren oder auch unterschiedlich lange fremdeln. Manche Kinder sind vorsichtiger und zurückhaltender, andere hingegen sind auch Fremden gegenüber aufgeschlossen und hemmungsloser. Natürlich spielt auch die Entwicklung beziehungsweise der Entwicklungsstand deines Kindes eine Rolle. Je nachdem wie weit es ist, tritt das Fremdeln nicht so stark auf wie bei anderen Kindern oder setzt vielleicht früher ein.

Fremdeln als Schutzmechanismus

Fremdeln hilft Kleinkindern, zwischen Vertrautem und Fremdem zu unterschieden. Sie sind in einem Alter, in dem sie eine natürliche und gesunde Distanz gegenüber Fremden und Unbekannten entwickeln. Der Hintergrund hierfür liegt in der Evolution: Ein Misstrauen gegenüber dem Fremden half Kindern früher, zu überleben. Somit ist das Fremdeln also sowohl ein Schutzmechanismus als auch eine Sicherheitsgarantie.

Fremdeln aus Trennungsangst

Gleichzeitig ist das Fremdeln Ausdruck der Trennungsangst von der Bindungsperson. Das Kind hat in den ersten Monaten seines Lebens gelernt, wer es versorgt und seine Bedürfnisse gestillt. Die Bezugspersonen waren ein Hort der Verlässlichkeit und der Geborgenheit. Ist diese Person plötzlich weg, greift bei dem Baby die Angst um sich, dass es allein gelassen wird.

Später wird das Kind alles, was es in der Beziehung gelernt hat, nach und nach auf mehr Menschen beziehungsweise auf all seine zwischenmenschlichen Beziehungen ausweiten. Am Anfang ist sein Vertrauen aber auf die Person konzentriert, bei der Geborgenheit und Versorgung gesichert sind.

Fremdeln als Zeichen einer innigen Beziehung

Wenn du irritiert oder vielleicht auch genervt von der Anhänglichkeit deines Kindes bist, ist das einerseits verständlich. Anderseits kannst du beruhigt sein, da es sich hierbei um etwas ganz Normales handelt. Und es ist auch ein Lob an dich! Denn dein Kind zeigt dir damit, dass es sich bei dir sicher fühlt. Es hat eine gute und stabile Beziehung zu dir. Es hat dich als Bezugsperson auserkoren und sieht dich als Beschützer und Versorger an.

Diese stabile Situation ist für die weitere Entwicklung deines Kindes sehr wichtig, denn nur aus einer sicheren Position heraus kann es seine Umwelt mehr und mehr entdecken, sich auch fremden Personen gegenüber offen zeigen und sich so zu einer selbstbewussten Person entwickeln.


Tipps für Eltern

Was tun, wenn das Kind fremdelt?

Das solltest du nicht tun

Das Fremdeln ist ein Schritt in der Entwicklung deines Kindes. Daher lässt es sich nicht beheben oder abtrainieren. Ignoriere auf keinen Fall die Bedürfnisse deines Kindes. Das heißt konkret: Drücke es einer Person, gegenüber der es gerade fremdelt, nicht einfach in den Arm. Wenn du die Schutzbedürfnisse, die dein Kind hat, ignorierst, verstärkst du seine Angstgefühle. Du solltest es aber auch nicht überbehüten, denn du willst ja, dass es auch ein Vertrauen zu den anderen Personen aufbaut.

So gehst du mit der Situation richtig um

Fremdeln bedeutet nicht nur, dass ein Kind Angst vor dem Unbekannten hat. Es ist verunsichert und orientiert sich bei seinem Verhalten auch an seinen Eltern, um die Situation besser einschätzen zu können. Gleichzeitig ist es dem Fremden gegenüber neugierig und interessiert. Aus der Geborgenheit des elterlichen Schutzes heraus betrachtet und erkundet es das Neue, sodass er die Angst langsam aber stetig ablegt.

Wichtig ist, dass du eine Balance findest, wie du mit der Person umgehst. Du bist auch in dieser Situation Vorbild des Kindes und es schaut bei dir ab, wie es sich verhalten soll. Zeig ihm also, dass keine Gefahr von der anderen Person oder dem Neuen ausgeht. Zudem stärkst du dein Kind, indem du ihm Sicherheit und Geborgenheit gibst.

Andere aufklären

Doch nicht nur für dein Kind ist die Situation besonders, auch die Menschen, gegenüber denen dein Kind fremdelt, fühlen sich oft vor den Kopf gestoßen. Daher solltest du unbedingt auch den anderen Personen das Verhalten deines Kindes erklären: Das Verhalten richtet sich nicht speziell gegen sie. Auch wenn die anderen das Fremdeln eigentlich kennen müssen, ist es noch einmal etwas anderes, wenn man selbst davon betroffen ist. Zeige auf, dass es etwas Natürliches ist und auch nur eine Phase während der Entwicklung deines Kindes, die wieder vergeht.

Weitere Tipps zum Vorgehen

  • Nicht lachen: Fremdeln bedeutet, dass dein Kind verunsichert ist und Angst hat. Wenn du über sein Verhalten lachst, verunsicherst du es. Dadurch kannst du die Eltern-Kind-Bindung stören.
  • Geduld: Fremdeln ist eine Phase, die vorübergeht. Auch wenn es schwerfällt, zeige deinem Kind gegenüber Geduld.
  • Frühe Unterstützung: Bist du auf die Hilfe anderer Personen angewiesen, solltest du diese schon sehr früh in den Alltag der Kinder integrieren, sodass diese zu wichtigen Bezugspersonen deiner Kinder werden.
  • Gemeinsame Interaktion: Fremdelt dein Kind einer Person gegenüber, interagiere mit ihr, wenn dein Kind in der Nähe ist, sodass es sieht, dass von dem Anderen keine Gefahr ausgeht.
  • Einbindung: Fremdelt dein Kind gegenüber einer Person, mit der du häufig in Kontakt bist, ist es sinnvoll, diese Person einzubinden, wenn du die Bedürfnisse deines Kindes stillst, zum Beispiel beim Füttern, Baden, Windelnwechseln und auch beim Spielen.
  • Positivität: Dein Kind schaut sich sein Verhalten bei dir ab. Sei daher in der Nähe anderer fröhlich und positiv. Wenn du keine Angst hast, hat es auch keine Angst. Gleiches gilt auch, wenn du ohne das Kind den Raum verlässt. Dann sieht das Kind, dass es nichts zu befürchten hat.
  • Aufklärung: Verlasse niemals heimlich das Zimmer. Rede mit deinem Kind, bevor du das Zimmer verlässt. Auch wenn es dich nicht versteht, merkt es durch deine Stimmlage, dass nichts Negatives passiert.
  • Übung: Trainiere mit deinem Kind das Alleinsein: Verlasse den Raum, komme kurz danach wieder, bleibe länger weg, dann kehre zurück. Schau zwischendurch, wie dein Kind reagiert.
  • Ermutigung: Letztlich solltest du dein Kind stärken, Neues zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln. Sei selbst nicht übervorsichtig oder ängstlich, das überträgt sich auf dein Kind und am Ende willst du auch, dass dein Kind die Welt entdeckt und daran wächst.

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