Sensory Play: Sinne und Kreativität fördern
Sensorische Erfahrungen unterstützen die frühkindliche Entwicklung auf vielfältige Weise. Was Sensory Play genau ist, welche Vorteile es hat und welche Ideen sich leicht zu Hause umsetzen lassen, liest du in unserem FamilienMoment.
Was ist Sensory Play?
Sensory Play, auf Deutsch „sensorisches Spielen“, bezeichnet spielerische Aktivitäten, die gezielt die Sinne von Kindern ansprechen und stärken. Dabei geht es um das Wahrnehmen von Materialien, Geräuschen, Farben und Aromen.
Kinder erkunden mit all ihren Sinnen ihre Umwelt und lernen dabei, Reize einzuordnen. Sensorische Erfahrungen fördern die Entwicklung des Gehirns. Beim Sensory Play geht es also nicht um reine Beschäftigung, sondern darum, Wahrnehmung, Motorik und Denken miteinander zu verknüpfen.
Welche Sinne werden beim Sensory Play angesprochen?
Beim Sensory Play werden die klassischen fünf Sinne trainiert, also das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken und das Tasten.
- Sehsinn: Hell und Dunkel, Licht, Bewegung, Kontraste – Sensory Play hilft Kindern, visuelle Reize zu unterscheiden und zu verarbeiten.
- Hörsinn: Rascheln, Klopfen, Klingeln, Rasseln – verschiedene Geräusche und Klänge fördern den Hörsinn der Kinder.
- Geruchssinn: Ob erdig, würzig oder süß, natürliche Düfte regen den Geruchssinn an. Die Wahrnehmung und Unterscheidung von Geruchsnuancen wird geschult.
- Geschmackssinn: Kinder schon früh an unterschiedliche Aromen zu gewöhnen und ihnen eine breite Palette zu bieten, hat mehrere Vorteile – vor allem schult es den Geschmackssinn. Wähle dabei immer altersgerechte und sichere Lebensmittel.
- Tastsinn: Wie fühlt sich das an? Weich oder rau, kalt oder warm, körnig, geriffelt. Der Tastsinn von Kindern wird durch das Anfassen unterschiedlicher Oberflächen und Materialien angesprochen.
Bei einigen Spielen werden auch der Gleichgewichtssinn und der Sinn der Tiefensensibilität gefördert. So lernen die Kinder, ihre Körperposition und die eigenen Bewegungen im Raum wahrzunehmen und einzuschätzen.
Sensory Play stärkt die Entwicklung des Kindes
Sensory Play macht jede Menge Spaß, vor allem aber schult es gezielt die Sinneswahrnehmungen der Kinder. Sie lernen, Reize zu verarbeiten, Zusammenhänge zu erkennen und die Umwelt aktiv zu erkunden. Das sind wichtige Grundlagen für die körperliche, geistige und auch emotionale Entwicklung. Ausschlaggebend ist ein ausgewogenes Maß, um Über- und Unterstimulation zu vermeiden.
Motorik
Sensory Play fördert die Feinmotorik und die Hand-Auge-Koordination: Aktivitäten wie Greifen, Schütten, Kneten, Drücken und Sortieren stärken nicht nur die Muskulatur der Hände, sie bereiten unter anderem auch auf Fähigkeiten wie Schreiben und Zeichnen vor.
Kognition
Kinder lernen das Prinzip von Ursache und Wirkung kennen, wenn Materialien sich verändern, wenn sie fließen oder fallen. Solche Erfahrungen fördern logisches Denken und die Fähigkeiten in den sogenannten MINT-Fächern, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
Emotionen
Sensorisches Spielen kann Kindern bei der Regulation ihrer Gefühle helfen. Es baut Stress ab, lässt zur Ruhe kommen, fördert die Konzentration und stärkt das Selbstvertrauen.
Sozialverhalten
Beim gemeinsamen Spielen lernen Kinder schon früh, zu kommunizieren, zu kooperieren und Rücksicht zu nehmen.
Für welches Alter eignet sich Sensory Play?
Es gibt unzählige Ansätze und Ideen für Sensory Play, die sich unkompliziert mit einfachen Materialien zu Hause umsetzen lassen. Sensory Play fördert schon die Entwicklung der Sinne von Säuglingen durch verschiedene Texturen, Klänge, durch das Vorsingen und das Erzählen.
Für Babys
Neben Kuscheltieren mit verschiedenen Strukturen kann man Babys ab neun Monaten auch Spielzeuge anbieten, mit denen sie das Greifen und Festhalten üben. Das Stapeln von Bauklötzen fördert die Motorik, das Hören von Musik schult den Hörsinn. Gib deinem Kind altersgerechte Nahrungsmittel mit interessanten Texturen in die Hand, zum Beispiel gekochtes Apfelmus oder Maisstangen. Nie wieder entwickeln sich die Sinne eines Menschen so rasant wie in seinem ersten Lebensjahr.
Ab dem ersten Lebensjahr
In diesem Alter können die meisten Kinder Dinge in ein Regal oder in eine Kiste ein- und ausräumen. Kneten bereitet ihnen Freude, Spiele mit Wasser und Schaum in einer Schüssel oder in der Badewanne ebenso. Mit essbaren Fingerfarben können sie erste Kunstwerke auf Papier zaubern, mit Rasseln und einfachen Instrumenten die Welt der Klänge entdecken. Eine schöne Idee sind auch Fühlkisten, in denen Kinder unterschiedliche Gegenstände mit rauen, glatten, trockenen, feuchten, weichen oder harten Oberflächen ertasten können.
Ab dem zweiten Lebensjahr
Viele Kinder können jetzt bereits große Perlen auffädeln und Düfte unterscheiden. Flüssigkeiten mit unterschiedlichen Farben und unterschiedlicher Viskosität finden sie nach wie vor spannend, vor allem wenn sie diese von einem Behälter in einen anderen gießen und mischen dürfen. Aus Wasser, Agar-Agar und Lebensmittelfarbe lässt sich Glibber herstellen, den Kinder zerschneiden oder ausstechen können. Tapioka-Perlen werden in Wasser schön schleimig und auch Chia-Schleim eignet sich prima für Sensory Play.
Ab dem dritten Lebensjahr
Sogenannte Sortier- und Klassifikationsspiele fördern Konzentration, logisches Denken und Motorik: Perlen und Knöpfe können beispielsweise nach Größen oder Farben sortiert werden. Basteln mit unterschiedlichen Naturmaterialien, Farben und Kleber bereitet viel Freude, fördert Motorik, Kreativität und Tastsinn.
Kinetic Sand, auch Zaubersand genannt, wirkt auf den ersten Blick wie normaler Sand. Sobald man ihn jedoch drückt, wird er fest und ist formbar. Wenn man die Masse erneut anfasst und bewegt, wird sie wieder zu Sand. Kinetic Sand gibt es in allen Farben des Regenbogens zu kaufen. Man kann ihn aber auch selbst herstellen.
Sensory Play: DIY-Ideen für Kinder ab drei Jahren
Sensorische Spielzeuge lassen sich leicht selbst herstellen. Wir stellen dir unsere Ideen vor:
Kinetic Sand
Damit der Zaubersand nicht austrocknet, sollte er in einem luftdichten Behälter aufbewahrt werden.
Du brauchst:
- 960 Gramm Mehl
- 120 Milliliter Sonnenblumen- oder Babyöl
- flüssige Lebensmittelfarbe
So geht's:
- Mische das Mehl mit dem Öl.
- Färbe die Masse bei Bedarf mit ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe.
Wolkenknete
Stelle gleich eine größere Menge Knete her und färbe sie portionsweise in allen Farben des Regenbogens. Wenn die Knete nach längerer Lagerung ausgetrocknet ist, wird sie mit einem Klecks Spülung wieder geschmeidig und knetbar.
Du brauchst:
- 300 Gramm Speisestärke
- 100 Gramm Haarspülung
- Schraubverschlussgläser oder Plastikbeutel
- flüssige Lebensmittelfarbe
So geht's:
- Gib die Speisestärke in eine Rührschüssel und mische nach und nach die Spülung unter.
- Knete die Masse mit der Hand oder in der Küchenmaschine, bis sie formbar und fluffig ist. Falls die Knete noch zu trocken ist, mische etwas mehr Spülung unter. Ist sie zu klebrig, füge Stärke hinzu.
- Mische einige Tropfen Lebensmittelfarbe unter, wenn die Wolkenknete bunt werden soll.
- Zur Aufbewahrung und Lagerung fülle die Knete in Schraubverschlussgläser oder in verschließbare Plastikbeutel.
Sensorikflasche
Je weniger Wasser du verwendest, desto langsamer schweben die Teilchen durch die Flasche.
Du brauchst:
- zwei bis drei Esslöffel Glitzersand, Glitzersterne, Pailletten oder Gelperlen
- transparente PET-Flasche mit einem Fassungsvermögen von 300 Millilitern
- circa 100 Milliliter Duschgel oder Spülmittel
- circa 200 Milliliter Wasser
- flüssige Lebensmittelfarbe
- Heißklebepistole
So geht’s:
- Gib die trockenen Materialien wie Glitzersand oder -sterne in die Flasche.
- Fülle Duschgel oder Spülmittel sowie Wasser hinzu und färbe die Masse nach Belieben mit ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe.
- Verschließe die Flasche und versiegel den Deckel mit etwas Heißkleber, damit er sich beim Schütteln nicht löst.
Outdoor Sensory Play
Auch wenn Kinder danach aussehen wie Dreckspatzen: Spielen und Toben in Matsch, Pfützen und Sand gehören zur Kindheit dazu. Zeit im Freien zu verbringen, schult alle Sinne und fördert die Entwicklung. Gezieltes Sensory Play lässt sich durch Matschen und Sandburgenbauen umsetzen. Mit gesammelten Materialien wie Blättern, Stöcken, Steinen und Tannenzapfen lassen sich schöne Mandalas legen.
Diese Materialien eignen sich für Sensory Play
Die Sicherheit der Kinder hat oberste Priorität. Das gilt auch für Sensory Play. Die Materialien sollten altersgerecht und ungiftig sein. Kleine Gegenstände bergen die Gefahr des Verschluckens und können schnell in der Nase verschwinden. Werkzeuge wie Scheren dürfen nur von Kindern genutzt werden, die sicher im Umgang damit sind. Halte beim Sensory Play deine Kinder im Auge. So kannst du bei Bedarf eine helfende Hand reichen oder Fragen beantworten. Folgende Materialien eignen sich für Sensory Play:
- natürliche Materialien: Schätze der Natur wie Blätter und Steine, Stöcke und Zapfen sind vielseitig einsetzbar. Sie riechen anders und fühlen sich sehr unterschiedlich an. Sie lassen sich sortieren, mischen, stapeln, legen, vergraben, vor allem in Kombination mit Erde oder Sand und Wasser sind die Möglichkeiten endlos. Materialien auf einem Spaziergang zu sammeln ist nachhaltig, kostengünstig und kann an sich schon eine schöne Erfahrung sein.
- Haushaltsmaterialien: Auch viele Materialien aus dem Haushalt lassen sich beim Sensory Play einsetzen: Reis, Nudeln und Linsen können sortiert, gefädelt, geklebt, gesiebt, umgefüllt und geschüttelt werden. Mehl wird in Kombination mit Öl zu Zaubersand und auf einer glatten Unterlage kann man mit dem Finger darin zeichnen. Achte immer darauf, dass Kinder die Materialien nicht in den Mund nehmen, um die Gefahr des Verschluckens auszuschließen.
- gekaufte sensorische Spielmaterialien: Speziell entwickelte sensorische Spielmaterialien wie Knete, Gel-Pads, Sensorikbälle oder Playtrays sind ebenfalls vielseitig einsetzbar. Ein Vorteil ist ihre klare, offizielle Altersempfehlung, außerdem sind sie in der Regel auf Sicherheit und Verträglichkeit geprüft. Knete fördert den Tastsinn und die Handmuskulatur, während Gel-Pads und Sensorikbälle unterschiedliche Druck- und Oberflächenreize bieten. Playtrays helfen dabei, Materialien zu ordnen und Spielbereiche klar abzugrenzen.
Falls ein Spielbrett oder eine Unterlage verwendet wird, sollte diese rutschfest sein. Das Spielbrett kannst du zum Beispiel durch einen Silikonfuß sichern. Auch Werkzeuge wie Pinsel oder Behälter sollten kindgerecht, langlebig und möglichst schadstofffrei sein.
Sensory Play – fünf Tipps für mehr Ordnung beim Spielen
Sensory Play darf kreativ und lebendig sein, braucht aber klare Rahmenbedingungen. Mit festen Regeln und Vorbereitung bleibt das Chaos im Rahmen und der Stress für Eltern gering. Beachte folgende Tipps:
Werkzeug anbieten
Kleine Schaufeln, Löffel, Becher, Pinsel oder Siebe helfen Kindern, Materialien gezielt zu bewegen. Wer ungern mit den Händen matscht, kann damit trotzdem aktiv mitspielen. Sorge für Ordnung, indem du Handtücher zum Aufsaugen von Flüssigkeiten und einen Handfeger für trockene Materialien bereitstellst.
Räumlichkeiten gut auswählen
Im Wohnzimmer steht das weiße Sofa zu nah an der Spielzone? Dann verlege sie in die Küche oder ins Badezimmer. Es ist ratsam, einen Ort zu wählen, der nach dem Spiel wieder leicht sauber zu machen ist. Auch ein Platz im Garten oder auf dem Balkon bietet sich an. Wichtig ist, dass die Kinder entspannt experimentieren können und die Eltern nicht an das bevorstehende Putzen denken müssen.
Grundregeln aufstellen
Feste Rahmenbedingungen sorgen für Sicherheit und fördern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Materialien. Definiere daher klare Regeln:
- Materialien dürfen nicht in den Mund, die Nase oder die Ohren gesteckt werden.
- Es darf nur in der Spielzone mit den bereitgestellten Utensilien gespielt werden.
- Mit Werkzeugen oder Wasser in der Hand sollen die Kinder nicht rennen oder aufstehen.
- Die Bausteine kommen nach der Nutzung wieder in die Kiste.
Zeit einplanen
Sensory Play sollte nicht zwischen Tür und Angel stattfinden. Damit die Kinder entdecken, experimentieren und sich in die Aufgabe vertiefen können, brauchen sie Zeit. Wenn also zeitnah noch ein anderer Termin ansteht, verschiebe das Sensory Play auf einen anderen Tag.