Immunsystem bei Kleinkindern stärken
Die Immunabwehr von Kindern ist noch nicht so ausgereift wie die von Erwachsenen. Mit allgemeinen Maßnahmen, zum Beispiel einer vitaminreichen und ausgewogenen Ernährung, kannst du die Immunabwehr deines Kindes bei ihrer Arbeit unterstützen. Hier findest du hilfreiche Tipps.
✔️ in Zusammenarbeit mit Dr. med. Snjezana-Maria Schütt, Kinderärztin
Was ist das Immunsystem?
Unser Immunsystem besteht aus verschiedenen Organen, Zellarten sowie Botenstoffen. Es schützt den Körper sowohl vor schädigenden Einflüssen von außen als auch vor körpereigenen Zellveränderungen.
Wie entwickelt sich das Immunsystem bei Kindern?
Zwischen dem ersten und fünften Geburtstag gelten Kinder als Kleinkinder. In dieser Phase wird das Immunsystem deines Kindes trainiert. Diese Entwicklung beginnt jedoch bereits in der zehnten Schwangerschaftswoche. Dementsprechend unterscheidet man die unspezifische, angeborene Abwehr von der spezifischen, erworbenen Abwehr.
Unspezifische Immunabwehr
Die unspezifische Abwehr ist der Teil des Immunsystems, der bereits bei der Geburt vorhanden ist und aus den natürlichen Schutzbarrieren des menschlichen Körpers besteht. Zu den äußeren Schutzbarrieren zählen
- die Haut: Sie wird durch einen Säureschutzmantel undurchlässig und so gut geschützt.
- die Schleimhäute: Mit Schleim und Flimmerhärchen werden in Atemwegen und im Verdauungstrakt Erreger abgefangen.
- die Körperflüssigkeiten: Tränen, Speichel und Magensäure enthalten Enzyme, die Keime abtöten.
Spezifische Immunabwehr
Erst mit der Zeit und durch den Kontakt mit Erregern, entweder in Form einer Infektion oder einer Impfung, lernt das Immunsystem, sich gegen spezielle Erreger zu wehren. Die spezifische Immunabwehr des Kindes reift bis zum Grundschulalter weitgehend aus. Doch auch danach entwickelt der Körper die Abwehrstrategien fortlaufend weiter und lernt dazu. Zur spezifischen Immunabwehr gehören:
Zellen
- B-Zellen: Sie stellen Antikörper her, um Krankheitserreger zu bekämpfen.
- T-Zellen: Sie helfen dem Immunsystem oder zerstören infizierte Zellen.
- Gedächtniszellen: Sie erinnern sich an Erreger und schützen beim nächsten Kontakt schneller.
Antigene und Antikörper
- Antigene: Das sind Erkennungsmerkmale von Krankheitserregern, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregen.
- Antikörper: Sie binden Erreger und machen sie unschädlich.
Immunantwort
- Humoral: Die Antikörper wirken im Blut.
- Zellulär: Die T-Zellen greifen infizierte Zellen an.
Erstinfektion
Der erste Kontakt mit einem Erreger wird auch als Erstinfektion bezeichnet. Meist treten dabei typische Krankheitssymptome auf. Doch es gibt auch Infektionen, die ohne Symptome verlaufen und daher unbemerkt bleiben können. Unabhängig davon lernt das Immunsystem den Erreger kennen und bildet anschließend Abwehrzellen gegen diesen aus, die in Aktion treten, sobald es zu einem erneuten Kontakt kommt.
Das menschliche Immunsystem erfüllt viele wichtige Abwehrfunktionen in unserem Körper und ist als sogenannte unspezifische Abwehr bereits zum Zeitpunkt der Geburt aktiv. Allerdings ist die Abwehrfunktion in den ersten Lebensjahren noch sehr unausgereift und muss im Laufe der Zeit lernen, bestimmte Krankheitserreger und schädigende Umweltfaktoren gezielt zu erkennen und abzuwehren. Dies erfordert Zeit und Übung und ist ein Hauptgrund für die erhöhte, in der Regel jedoch ganz normale, Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern in den ersten Lebensjahren. Kinderärztin Dr. med. Snjezana-Maria Schütt
So arbeitet das Immunsystem bei Kleinkindern
Ob Krankheitserreger oder Zellveränderungen – unsere Körperabwehr ist durchgehend beschäftigt. Das Immunsystem reagiert auf fremde Stoffe, sogenannte Antigene. Sie sitzen zum Beispiel auf Bakterien, Pilzen und Viren. Nach dem ersten Kontakt merkt sich der Körper den Erreger und kann ihn beim nächsten Mal schneller bekämpfen. Auch Schadstoffe aus der Umwelt werden von ihm neutralisiert. Dadurch wird verhindert, dass sie negative Auswirkungen auf den Körper haben.
Besonderheiten bei Kleinkindern
Das Immunsystem von Babys und Kleinkindern ist noch nicht ausgereift, deswegen sind sie anfälliger für bestimmte Erreger und Schadstoffe. Vor allem Bakterien können sich bei ihnen schneller ausbreiten und Schadstoffe, zum Beispiel Schimmelpilzsporen oder Zigarettenrauch, die Funktion der Immunabwehr und andere Organe negativ beeinträchtigen.
Training für das Immunsystem
Für Kinder ist der soziale Kontakt zu anderen im ähnlichen Alter besonders wichtig. Dadurch werden nicht nur wichtige Kompetenzen gefördert, sondern durch den meist engen körperlichen Kontakt häufig auch Erreger ausgetauscht. Gerade mit Beginn der Fremdbetreuung steigt häufig die Zahl der Infekte. Auch wenn diese Infektionen unangenehm sind und für deinen Schatz und dich mit Stress einhergehen, ist dies ein wichtiger Teil des Trainings für die Immunität. Dadurch wird der Körper geschult, bestimmte Erreger in Zukunft gezielt abwehren zu können. Insbesondere im Kleinkindalter läuft das Immunsystem oft auf Hochtouren, da es darauf ausgelegt ist, auf eine Vielzahl neuer Krankheitserreger zu reagieren.
Fieber bei Kleinkindern
Die häufigen Kontakte mit neuen Erregern und Schadstoffen führen in dieser Phase oft zu Infektionen und Fieber. Fieber ist dabei eine normale und sinnvolle Abwehrreaktion, da sich viele Erreger bei höheren Temperaturen schlechter vermehren. Mehrere fieberhafte Infekte pro Jahr sind bei Kleinkindern normal. Bei sehr hohem, anhaltendem Fieber oder bei Säuglingen sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Hat mein Kind ein schwaches Immunsystem?
Ein geschwächtes Immunsystem kann krankheitsbedingt sein. Aber auch Stress, fehlender Schlaf, Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen oder die Einnahme bestimmter Medikamente tragen dazu bei, dass die Abwehr vermindert arbeitet. Zudem gibt es Autoimmun-, Blut- und Stoffwechselkrankheiten, die unser Abwehrsystem beeinträchtigen beziehungsweise dafür sorgen, dass die Abwehrzellen nicht in ihrer vollen Funktion arbeiten können.
Wann hat ein Kleinkind ein zu schwaches Immunsystem?
Wenn bestimmte Infektionen sehr lang anhalten und häufig mit Komplikationen verbunden sind oder wenn Nebenhöhlenentzündungen, Ohrentzündungen oder Durchfall wiederholt auftreten und langwierig sind, kann dies ein Hinweis auf eine Immunschwäche sein. Ein gestörtes Immunsystem bedeutet, dass die körpereigene Abwehr nicht richtig arbeitet. Entweder reagiert sie zu schwach und kann Krankheitserreger nicht gut bekämpfen, oder sie reagiert fehlgeleitet. Folgende Warnzeichen gibt es für Immundefekte bei Kindern:
- mehrere schwere Infektionen pro Jahr, zum Beispiel Lungen-, Ohren- oder Nebenhöhlenentzündungen
- lang anhaltende Schleimhaut- oder Pilzinfektionen im Mund, auf Haut oder Nägeln
- geringe Gewichtszunahme oder Wachstumsprobleme
- wirkungslose Antibiotikabehandlung
- häufige tiefe Haut- oder Organabszesse
- schwere innere Infektionen, zum Beispiel Hirnhautentzündung, Blutvergiftung
- familiäre Vorbelastung mit Immunerkrankungen
Wie viele Erkrankungen sind normal?
Gerade in den ersten Lebensjahren ist ein häufiges Kranksein mit Symptomen wie Schnupfen, Husten, Fieber, Durchfall oder allgemeines Krankheitsgefühl normal, da das Immunsystem noch dazulernt. Somit bedeuten häufige Infekte nicht automatisch ein schwaches Immunsystem. Meist sind sie Teil der normalen Entwicklung und helfen dem Körper, Abwehrkräfte aufzubauen.
Atemwegsinfekte wie Erkältungen treten etwa sechs bis zwölf Mal pro Jahr auf, Magen-Darm-Infekte etwa ein bis drei Mal pro Jahr. Kleinkinder leiden damit relativ oft unter fieberhaften Infekten, acht bis zehn davon pro Jahr sind nicht ungewöhnlich. Kinder in Kitas sind häufiger betroffen als Kinder, die zu Hause betreut werden.
So stärkt der Alltag das Immunsystem
Um die Bildung der spezifischen Abwehr zu fördern, braucht das Immunsystem Erfahrungswerte und einen alltäglichen Kontakt mit Umwelteinflüssen und Erregern. Dabei lernt es, dass viele körperfremde Substanzen wie Blütenpollen harmlos sind und es diese nicht bekämpfen muss. Dies ist wichtig, um Allergien vorzubeugen, bei denen das Immunsystem überschießend auf Substanzen reagiert. Eine normale Auseinandersetzung des kindlichen Körpers mit der Umwelt, zum Beispiel beim Spielen in der Natur, ist daher wichtig. Wer gesund lebt und ganz natürlich durch den Alltag geht, tut meist auch seinem Immunsystem etwas Gutes. Wir zeigen dir, wie du das Immunsystem deiner Kinder mit einem gesunden und aktiven Lebensstil unterstützen kannst.
Ernährung und Vitamine
Vitamine und andere Nährstoffe können das Immunsystem stärken. Viele davon kann unser Körper nicht selbst herstellen, sodass wir diese über die Nahrung aufnehmen müssen. Wichtige Nährstoffe für ein gutes Immunsystem sind beispielsweise Kalzium, Vitamin D, Phosphor und Proteine. Sie werden für das Wachstum und eine normale Entwicklung der Knochen benötigt.
Schlafbedarf
Das Schlafbedürfnis bei Kleinkindern ist unterschiedlich. Es liegt im Schnitt zwischen 12 und 14 Stunden. Dabei hat der Schlaf viele wichtige Funktionen: Der Körper verarbeitet währenddessen die Erlebnisse des Tages, gleichzeitig dient der Schlaf der Regeneration. Insbesondere Zellen erholen sich in dieser Zeit, sodass sie am nächsten Tag wieder ihre volle Funktion ausüben können. Fehlt der Schlaf, kann die Funktion der Zellen und somit die Immunabwehr eingeschränkt sein. Ausreichend Schlaf ist somit enorm wichtig, um dem Immunsystem etwas Gutes zu tun.
Aufenthalt an der frischen Luft
Wer körperlich aktiv ist, stärkt seine Abwehrkräfte. Frische Luft fördert ebenso das Immunsystem. Versuche, zu jeder Jahreszeit möglichst viel Zeit mit deinem Kind im Freien zu verbringen. Kinder haben von Natur aus einen hohen Bewegungsdrang, sodass sie Spaß an der Bewegung und am Toben haben. Die dabei ausgeschütteten Glückshormone helfen, Stress zu reduzieren. Stress selbst ist ebenfalls ein Faktor, der das Immunsystem schwächt und Menschen empfänglicher für Krankheitserreger macht.
Angemessene Hygiene
Dass die Hände beim Spielen in der Natur nicht immer sauber bleiben können, ist natürlich und bietet dem Immunsystem viele Möglichkeiten, zu lernen. Eine angemessene, nicht übertriebene Hygiene ist daher wichtig. Wenn alles hygienisch rein ist, kann die kindliche Immunabwehr weniger lernen. Dies gilt natürlich nicht für den Kontakt zu potenziell giftigen oder krank machenden Erregern.
Kontakt zu Tieren
Kleinkinder, die in der frühen Kindheit regelmäßigen Kontakt zu Katzen oder Hunden hatten, entwickeln tendenziell weniger Nahrungsmittelallergien. Ein unmittelbarer Zusammenhang ist aber nicht wissenschaftlich erwiesen. Haustiere führen jedoch oft dazu, dass sich Kinder mehr an der frischen Luft bewegen, sodass durch sie die positiven Effekte des Aufenthalts an der frischen Luft verstärkt werden können.
Impfungen und Hygiene
Unser Körper – und vor allem der von Kleinkindern – braucht zwar den Kontakt mit Erregern und harmlosen Substanzen aus der Umwelt. Doch leider gibt es auch Ausnahmen, da einige Erreger schwere Krankheiten auslösen. Dazu gehören Bakterien, die eine Hirnhautentzündung verursachen können oder Viren wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken, die zu schweren Verläufen führen können. In diesen Fällen ist die Impfung ein wichtiger Schutzfaktor, um das Immunsystem zu trainieren.
Händewaschen nicht vergessen
Es gibt auch viele andere Erreger wie Magen-Darm-Viren, bei denen es sinnvoll ist, auf eine entsprechende Hygiene zu achten. Allen voran solltest du bei deinem Kind das Händewaschen mit Seife schnell und spielerisch in die Routine einbinden. Zudem empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) bei bestimmten Erregern Standardimpfungen für Säuglinge und Kinder.
Kinderärztin
Dr. med. Snjezana-Maria Schütt ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Mutter von zwei Kindern. Nach ihrer Facharztausbildung an einer Universitätskinderklinik war sie in verschiedenen Bereichen der Kinderheilkunde tätig. Ihr Wissen und ihre Erfahrung im kinderärztlichen Bereich teilt sie auf ihrem Blog „die-kinderherztin” und klärt in den sozialen Medien über wichtige Bereiche der Kindergesundheit auf. Auch bei FamilienMomente steht sie Eltern bei pädiatrischen Fragen virtuell zur Seite.